6 Dez 2015

Partner und Psychotherapie

Submitted by M.Geiger

Bereit werden für gemeinsame Therapie | Paartherapie oder Sexualtherapie

  1. Wie bringe ich meine/n PartnerIn dazu, mit zur Therapie zu kommen?
  2. Mein Partner / meine Partnerin hat ein massives Problem (z.B. Erkrankung) , er/sie sollte eigentlich,...
  3. Ich bin nicht sicher, ob es uns beide betrifft oder mich alleine?
  4. Als Elternteil finde ich, dass mein Kind in Therapie gehört, ...

 

Bekannte Fragen aus der Praxis. Das wichtigste Prinzip in einer Psychotherapie ist die Freiwilligkeit des/der Klienten. Da hilft auch kein indirekter Druck und keine richterliche Verfügung. Ohne freien Willen zu einem Veränderungsprozess kann dieser nicht gelingen.

Psychotherapie zu beginnen das bedeutet: Betroffene WOLLEN selbst eine Änderung ihres Verhaltens verSUCHEN.

 

  • In Psychotherapie kommt, wer den Problemdruck früher oder stärker verspürt,
  • oder: wer sich leichter helfen lassen getraut und eventuell weniger Scham empfindet.
  • Aber auch wer sicherer in diesem Themenbereich ist oder bereits selbst Therapieerfahrung besitzt.
  • Häufig ist der/die Gesündere zur Annahme von Hilfe bereit, denn Ihm oder ihr ist klar, dass Psychotherapie nur so lange gebraucht wird, bis neue Lösungen in Sicht sind.

 

Variante - der Mutige vorausBildquelle: M.Geiger, 2015; ein Paar am Meer im Sonnenuntergang gegenlichtig

Der/die Mutigere geht voran und schaut sich den/die TherapeutIn einmal unverbindlich an oder beginnt mit der Therapie, solo. Es kann dabei herauskommen, dass der Beginnende zunächst für sich etwas tut, sich besser abgrenzen lernt oder sein eigenes Thema erkennt. Sollte es dennoch mehr um ein Beziehungsthema gehen, kann der/die BeginnerIn bereits von ersten Erfahrungen berichten und erneut eine Einladung aussprechen.

 

Variante - Rettungsversuch

Nachdem Variante 1 probiert wurde und der/die Zweite immer noch nicht einwilligt, kann sich das Problem gebessert haben oder es tritt noch deutlicher hervor. Dies kann eine Beziehung gefährden oder auch ein letzter Rettungsversuch sein. Stellen Sie das klar bzw. sprechen Sie es offen aus und "bringen Sie Nachrichten aus der Therapie mit nach Hause". So wird klar, dass Sie es ernst meinen.

 

Variante Eins oder Zwei

Bildquelle: M.Geiger, 2015; Fuesse am Meer im SonnenuntergangOb eine Einzeltherapie oder Paartherapie angesagt ist, wird der Therapeut mit Ihnen besprechen, dazu braucht es in jedem Fall ein Erstgespräch. Auch hängt es von Ihrer Zielsetzung ab. Sexuellen Funktionsstörungen liegen oft Beziehungsprobleme zugrunde und sind damit eine Paarangelegenheit. Der/die weniger Betroffene kann jedenfalls fallweise mit einbezogen werden. Wer geht zuerst in Therapie? Ganz einfach - Wer das Beziehungsleben früher wieder unbeschwert genießen möchte! Wer lieber in negativen Gefühlen weiter"dunsten", schmollen, sich einmauern, mit Arbeit oder Alkohol ablenken will, der/die zögert einen Therapiestart möglichst lange hinaus.

 

Variante - Psychische Erkrankung

Wenn der Verdacht auf eine ernsthafte psychische Erkrankung besteht, kann sich der/die Angehörige beraten lassen, wie sie am besten damit umgeht. Oft hilft auch eine Zwischenstufe, dass z.B. der/die Erkrankte zu einem Facharzt oder eine spezialisierte Beratungsstelle geschickt wird. Diese hat eine andere Position und kann das "Unternehmen Therapie" mit neuen (objektiven) Argumenten unterstützen.

Wichtig erscheint mir, dass die Entscheidung über Therapie/ Nicht-Therapie möglichst aus Streitereien herausgehalten und nicht zum Spielball von Machtkämpfen gemacht wird. Machen Sie dem Partner/Partnerin klar, dass Sie eine sehr ernste Sorge haben und den Leidenszustand nicht unnötig verlängern wollen. Unterstreichen Sie, dass IHNEN die gemeinsame Therapie eine Herzensangelegenheit ist, aus Sorge um die Gesundheit, um die Beziehung oder weil es Sie schmerzt bzw. es Ihnen sonst Angst (oder andere unangenehme Gefühle) macht. Die meisten Beziehungsstörungen erledigen sich nicht selbst sondern chronifizieren sich unbehandelt und vergiften das Klima zwischen den PartnerInnen.

 

Zur Kindertherapie

Die Therapie eines Kindes ist eine Therapie der Familie.

Kinder (und Jugendliche ebenfalls) reagieren stark auf ihr Umfeld, oft spiegeln sie die emotionale Atmosphäre wider. Je jünger die Kinder, desto mehr kommt es zu körperlichen Symptomen (Schmerzen, Bettnässen,Schlafstörungen). Jugendliche zeigen es mitunter über Schulverweigerung an, dass im Bezug zu (oder zwischen) den Eltern etwas nicht stimmt. Es reicht daher sicher nicht aus, das Kind "in Reparatur" zu schicken und als Elternteil keine Bemühungen zu zeigen. In begleitenden Elterngesprächen wird über diesen Punkt gesprochen und wenn nötig gearbeitet. Kinder werden bezüglich Therapiebesuch viel kooperativer, wenn sie sehen, dass auch die Eltern selbst für sich/mit sich an einer Verbesserung der Lage arbeiten.

Erst Ansehen und dann entscheiden. Die Entscheidung zu einer Psychotherapie ist keine Sache für die Ewigkeit.

Spricht es Sie an, kann die Arbeit los gehen. Eine der beliebtesten Fallen, die Probleme auch nicht anzugehen ist es, den "besten Zeitpunkt" und die alleroptimalsten Voraussetzungen (möglichst mit dem effizientesten Wundertherapeuten) abzuwarten. Das kann lange dauern - man nennt es den Widerstand. Er schützt und bewahrt vor seelischer Verletzung, manchmal "betoniert" er die seelische Entwicklung geradezu ein. Es ist gut, den (Schutz-)widerstand zu spüren und auf ihn zu hören - verschließen Sie sich deswegen nicht allem Neuen gegenüber.

 

Zum Jahresende wünsche ich Ihnen Alles Liebe,

Gute Ideen & good vibrations für 2016!

Martin Geiger, Psychotherapeut